Auf der Strecki

Roland Reichen

Auf der Strecki

Roman
Der gesunde Menschenversand, 2020
Taschenbuch, 128 Seiten
978-3-03853-104-3

25,00 CHF

An der Strecke, am Formel-1-Rennen in Monza, da bekommt man natürlich kaum was zu sehen mit den Billets von Passion Reisen Steffisburg. Da sind die Karten ebenso ungleich verteilt, wie wenn es darum geht, wer auf der Strecki bleibt.
In zwölf „Bitzen“ erzählt Roland Reichen Geschichten einer Familie, die am Rand steht. Hinterwäldlerisch, geplagt, zuweilen aufmüpfig ist der Clan. Seine Abstammungsgeschichte gründet im Hühndliwald. Viele Erwartungen und noch mehr satte Enttäuschungen, Drogen, alltägliche Gewalt und eine schonungslose Komik verbinden sich zu einer aber-witzigen Unterschichten-Familiensaga.

Wie in den vorangegangenen Büchern „aufgrochsen“ und „Sundergrund“ sind Reichens Figuren unterprivilegiert, bevormundet, ausgestossen; und hier wie da besteht die aufrührerische Geste der Literatur darin, den Figuren eine Stimme zu geben, und sei sie noch so holprig, noch so ungeschliffen, noch so unrecht. Denn diese Geschichten beugen sich weder einem begradigten Deutsch noch einem rücksichtsvollen Blick: Reichens Prosa ist böse, wo sie nicht anders kann, lustig, wenn es halt so kommt, störrisch bis stur, weil es zählt.



Roland Reichen

Geboren 1974. Co-Leiter des Teilprojekts Textphilologie an der Forschungsstelle Jeremias Gotthelf der Universität Bern. Er hat zwei Romane in stark dialektgefärbtem Deutsch verfasst, "aufgrochsen" (2006) und "Sundergrund" (2014). "Sundergrund" wurde 2015 mit einem Literaturpreis des Kantons Bern ausgezeichnet. Letzte Veröffentlichung zusammen mit Peter Reichen und Jonathan Liechti: "Druffä. Aus dem Leben eines Berner Drogensüchtigen" (Münsterverlag 2019).

Bild: Philip Delaquis

Presse

Der Bund, 24. April 2020

Mit «Auf der Strecki» legt Roland Reichen eine organische Fortsetzung seiner beiden ersten Romane vor. Seine Familiensaga ist bei allem Elend nicht zuletzt auch mit grimmiger Komik durchsetzt. Als der gestürzte Vättu im Badezimmer nicht mehr aufstehen kann und wimmert, er sei nur noch eine Last, liest ihm seine Frau zur Beruhigung etwas aus dem Boulevardmagazin «Nöie Röwü»vor.

Thuner Tagblatt, 31. Mai 2020

Roland Reichen hat eine eigene knorrige Kunstsprache mit Dialekteinsprengseln entwickelt, mit der er das Leben aus der Unterschicht abbildet. Diesen Sound zieht er auch im neuen Roman «Auf der Strecki» durch.

Journal B, 3. Juni 2020

Neben Reichens Sprachvirtuosität ist es dieser skeptisch-empathische Blick, der «Auf der Strecki» zu einem berührenden Stück Literatur macht. Es zeigt Menschen, die dauernd «auf der Strecki» sind, um das Wichtige zumindest auf den billigsten Plätzen mitzubekommen – und dabei manchmal himmeltraurig «auf der Strecki» bleiben, weil man solche wie sie nicht einmal auf den billigsten Plätzen brauchen kann.

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